iSFP – individueller Sanierungsfahrplan: Was er ist und warum er sich lohnt
✅ Das Wichtigste in Kürze
- Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein staatlich gefördertes Beratungsdokument, das Schritt für Schritt zeigt, wie ein Gebäude energetisch saniert werden kann.
- Er wird von einem BAFA-zugelassenen Energieberater erstellt und beschreibt mehrere Sanierungsschritte, die auch zeitversetzt umgesetzt werden können.
- Die Erstellung wird mit 50 % der Beratungskosten durch die BAFA gefördert (max. 650 € für Ein-/Zweifamilienhäuser).
- Wer Maßnahmen aus dem iSFP umsetzt, erhält einen iSFP-Bonus von +5 % (Bundesförderung Einzelmaßnahmen, BEG EM). Seit dem 21. Juli 2026 gilt dieser Bonus allerdings nur noch für den Kostenanteil oberhalb von 30.000 € je Wohneinheit – nicht mehr ab dem ersten Euro. Dafür hebt der iSFP die Grenze der förderfähigen Kosten von 30.000 € auf 60.000 € je Wohneinheit an.
- Der iSFP ist keine Pflicht – aber er ist das sinnvollste Werkzeug, um teure Sanierungsfehler zu vermeiden und Förderungen optimal zu kombinieren.
Wer sein Haus sanieren möchte, steht schnell vor einer verwirrenden Fülle an Möglichkeiten: neue Fenster, Wärmedämmung, Wärmepumpe, Photovoltaik – alles auf einmal? Oder schrittweise? Und welche Maßnahme zahlt sich wirklich aus? Genau für diese Situation wurde der individuelle Sanierungsfahrplan – kurz iSFP – entwickelt. Er ist das zentrale Instrument der deutschen Energieberatung und gibt Hausbesitzern eine strukturierte, auf ihr konkretes Gebäude zugeschnittene Roadmap an die Hand.
Seit seiner Einführung durch das Bundeswirtschaftsministerium hat der iSFP in Deutschland mehr als eine Million Gebäude erfasst. Und das aus gutem Grund: Er verbindet technische Fachkenntnis mit greifbarer Planung – und bietet zusätzlich handfeste finanzielle Vorteile. Als BAFA-zugelassene Energieberater erstellen wir bei KFM Energieberatung in Bonn regelmäßig individuelle Sanierungsfahrpläne für Eigentümer aus dem Rheinland – und erleben immer wieder, wie viel Klarheit dieses Dokument schafft.
In diesem Artikel erklären wir, was der iSFP genau ist, wie er aufgebaut ist, welche Förderungen daran hängen und für wen er sich besonders lohnt. Wir beantworten auch die häufigsten Fragen aus der Beratungspraxis – sachlich, ohne Verkaufsversprechen, dafür mit konkreten Zahlen.
Was ist der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) genau?
Der individuelle Sanierungsfahrplan ist ein staatlich anerkanntes Beratungsdokument, das auf der Grundlage einer ausführlichen Vor-Ort-Begehung durch einen qualifizierten Energieberater erstellt wird. Er unterscheidet sich fundamental von einem einfachen Energieausweis oder einer kurzfristigen Kostenkalkulation: Der iSFP denkt das Gebäude als Gesamtsystem und entwickelt eine schrittweise Sanierungsstrategie, die auf die spezifischen Eigenschaften des Hauses, die Lebensplanung der Bewohner und das verfügbare Budget abgestimmt ist.
Rechtlich basiert der iSFP auf der Richtlinie des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zur „Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude" (BEW). Er wurde 2017 als Weiterentwicklung des bisherigen Energieberatungsberichts eingeführt und seither mehrfach überarbeitet. Das heutige Format ist digital, bürgerfreundlich aufbereitet und enthält neben dem technischen Teil auch eine verständliche Darstellung der Maßnahmen in Sprache und Visualisierung.
Wichtig zu verstehen: Der iSFP legt keinen starren Sanierungsplan fest, den man zwingend einhalten muss. Vielmehr zeigt er, in welcher Reihenfolge Maßnahmen sinnvoll wären – und welche Synergien entstehen, wenn man beispielsweise Dämmung und Heizungstausch koordiniert. Die einzelnen Schritte können über mehrere Jahre oder sogar über ein Jahrzehnt gestreckt werden, ohne dass der Bonus oder die Förderansprüche verloren gehen.
Abgrenzung: Der iSFP ist kein Energieausweis und kein Gutachten im Rechtssinne. Er ist ein Beratungsdokument – aber eines, das unmittelbare finanzielle Konsequenzen hat, weil der iSFP-Bonus an seine Existenz geknüpft ist.
Was enthält der iSFP – Aufbau und Inhalte im Überblick
Ein iSFP besteht aus mehreren klar definierten Teilen. Das BAFA-Format schreibt vor, welche Inhalte enthalten sein müssen – es gibt jedoch Spielraum bei der Tiefe der Darstellung. Ein qualitativ hochwertiger iSFP enthält mindestens folgende Bausteine:
Gebäudeanalyse
Dokumentation des Ist-Zustands: Baujahr, Bausubstanz, Heizanlage, U-Werte von Wänden, Dach, Keller und Fenstern. Basis für alle weiteren Berechnungen.
Sanierungsschritte
Konkrete Maßnahmen in logischer Reihenfolge. Jeder Schritt enthält Investitionskosten, eingesparte Energie und mögliche Fördermittel.
Effizienzhausziel
Darstellung, welchen KfW-Effizienzhaus-Standard das Gebäude nach Vollsanierung erreichen kann – wichtig für zinsgünstige Kredite.
Fördermittelübersicht
Für jede Maßnahme: welche Förderung ist abrufbar, welche Kombination macht Sinn, welche Antragsfristen gelten.
Kurzversion für Laien
Eine verständliche Zusammenfassung in wenigen Seiten, die auch ohne technisches Vorwissen nachvollziehbar ist.
Digitales Exemplar
Offizielles PDF-Dokument im BAFA-Format, das bei Förderanträgen als Nachweis eingereicht werden kann.
Ein vollständiger iSFP umfasst typischerweise 30 bis 80 Seiten. Der Aufwand für den Energieberater ist erheblich: Neben der Vor-Ort-Begehung (1–3 Stunden) folgt die eigentliche Berechnungs- und Dokumentationsarbeit am PC, die mehrere Arbeitstage in Anspruch nehmen kann. Genau deshalb fördert die BAFA die Erstellung mit bis zu 50 % der anfallenden Beratungskosten.
iSFP-Förderung: Wer zahlt was?
Der iSFP ist in ein zweigliedriges Fördersystem eingebettet: Einerseits wird die Erstellung selbst gefördert, andererseits erhalten alle, die Sanierungsmaßnahmen auf Basis des iSFP umsetzen, einen zusätzlichen Bonus. Beide Vorteile zusammen machen den iSFP zu einem außergewöhnlich attraktiven Instrument.
| Förderung | Höhe | Programm | Antragsteller |
|---|---|---|---|
| Beratungskosten iSFP Ein-/Zweifamilienhaus |
50 % (max. 650 €) | BAFA BEW | Eigentümer |
| Beratungskosten iSFP Mehrfamilienhaus |
50 % (max. 850 €) | BAFA BEW | Eigentümer / WEG |
| iSFP-Bonus auf Einzelmaßnahmen nur auf Kosten über 30.000 € |
+5 % zusätzlich | KfW BEG EM | Eigentümer |
| Heizungstausch (z.B. Wärmepumpe) | bis zu 80 % inkl. aller Boni max. 22.400 € je Wohneinheit |
KfW BEG EM | Eigentümer |
| Baubegleitung (iSFP-Umsetzung) | 50 % | BAFA BEW | Eigentümer |
Der iSFP-Bonus von +5 % klingt auf den ersten Blick bescheiden – und seit dem 21. Juli 2026 greift er zusätzlich nur noch auf den Kostenanteil oberhalb von 30.000 € je Wohneinheit. Sein eigentlicher Hebel liegt deshalb woanders: Der iSFP verdoppelt die Grenze der förderfähigen Kosten von 30.000 € auf 60.000 € je Wohneinheit. Ein Beispiel: Wer eine Wärmedämmung der Außenwände für 40.000 € plant, bekommt ohne iSFP die Grundförderung von 15 % auf höchstens 30.000 € – also 4.500 €. Mit iSFP sind die vollen 40.000 € förderfähig: 15 % davon sind 6.000 €, dazu kommen 5 % auf die 10.000 €, die über der 30.000-€-Grenze liegen, also 500 € – zusammen 6.500 €. In der Spitze sind ohne iSFP 4.500 € Zuschuss je Wohneinheit möglich, mit iSFP 10.500 €. Bei größeren Sanierungsprojekten, die mehrere Maßnahmen umfassen, summieren sich diese Unterschiede schnell auf mehrere Tausend Euro.
Wichtig: Der iSFP-Bonus gilt pro Maßnahme und kann für jeden umgesetzten Schritt des Fahrplans neu beantragt werden – also nicht nur einmal, sondern bei jeder einzelnen Maßnahme, die im iSFP dokumentiert ist.
Als BAFA-zugelassene Energieberater empfehlen wir allen Eigentümern, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren irgendetwas an ihrem Gebäude verändern möchten: Holen Sie sich den iSFP, bevor Sie mit der ersten Maßnahme beginnen. Denn sobald Sie eine Sanierung ohne iSFP abgeschlossen haben, entfällt der Bonus für diese Maßnahme nachträglich – und lässt sich nicht mehr rückwirkend beantragen.
Für wen lohnt sich der iSFP – und wann nicht?
Der iSFP ist kein universelles Allheilmittel. Er entfaltet seinen größten Nutzen in bestimmten Situationen. Gleichzeitig gibt es Fälle, in denen ein kürzeres Beratungsformat ausreichend ist. Hier eine ehrliche Einschätzung aus der Praxis:
Besonders empfehlenswert, wenn …
- ✓ Sie ein Gebäude aus den 1950er bis 1980er Jahren besitzen, das noch wenig oder gar nicht saniert wurde. Hier sind die Einsparpotenziale am größten – und die Planung am komplexesten.
- ✓ Sie mittelfristig planen zu sanieren, aber noch unsicher sind, womit Sie beginnen sollen. Der iSFP gibt eine klare Prioritätenliste.
- ✓ Sie mehrere Maßnahmen über die nächsten Jahre umsetzen wollen und den +5 % Bonus bei größeren Hüllmaßnahmen (über 30.000 €) mitnehmen möchten.
- ✓ Sie ein Haus gekauft haben und erst einmal verstehen wollen, in welchem energetischen Zustand es sich befindet und was auf Sie zukommt.
- ✓ Ihr Gebäude ein Mehrfamilienhaus ist und Sie als WEG-Gemeinschaft oder Vermieter handeln. Hier ist die Planung noch komplexer, der iSFP schafft Orientierung.
- ✓ Sie langfristig ein KfW-Effizienzhaus-Niveau anstreben und wissen wollen, welche Maßnahmen dafür notwendig sind.
Weniger dringlich, wenn …
Ein iSFP ist weniger dringend, wenn das Gebäude bereits vollständig saniert ist (Effizienzhaus 55 oder besser), wenn nur eine einzelne, klar definierte Maßnahme geplant ist und kein weiterer Sanierungsbedarf besteht – oder wenn das Budget für Beratung und Sanierung schlicht nicht vorhanden ist. In letzterem Fall helfen oft Förderprogramme des Landes NRW oder zinsgünstige Sanierungskredite als erster Einstieg.
Auch für Eigentümer in der Metropolregion Köln/Bonn, die ihr Gebäude veräußern möchten, kann ein iSFP sinnvoll sein: Er dokumentiert professionell den Sanierungsbedarf und kann als Verhandlungsbasis beim Immobilienverkauf dienen. Gerade bei älteren Gebäuden in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis haben wir in der Praxis erlebt, dass ein gut aufbereiteter iSFP den Unterschied zwischen einem erfolgreichen Verkauf und einem monatelangen Stillstand machen kann.
